Angstpatienten sind bei uns gut aufgehoben

Warum gibt es Schmerz und warum ist er sinnvoll?

Wenn es im Mund poch, hämmert und sticht, dann fragt man sich unweigerlich: Warum?! Wieso muss es so wehtun? Weshalb quält mein Körper mich so? Welchen Sinn macht das?

Auf diese rhetorische Frage gibt es eine ernsthafte Antwort, und die lautet: Schmerz schützt uns vor Schlimmerem! Wer unter akutem Zahnweh leidet, der mag es kaum glauben, aber die ursprüngliche Funktion von Schmerz ist tatsächlich, als Warnsignal für den Körper zu dienen.

Sinn von Schmerzen

Schmerz weist auf gesundheitliche Gefahren und Verletzungen hin und sorgt dafür, dass wir alles tun, um diese zu verhindern oder zu beheben. Unser instinktiver Wunsch nach Schmerzlinderung sorgt dafür, dass wir die richtige Entscheidung für unseren Körper treffen: Die Hand von der heißen Herdplatte nehmen, einen kariösen Zahn entfernen lassen oder eine verheilende Wunde nicht zu stark belasten.

Darüber hinaus ist die Art des Schmerzes bei der Diagnose der Leidensursache ausgesprochen hilfreich. Je nachdem, wie der Schmerz sich anfühlt, kann ein Fachmann erkennen, wie das Leiden zu beheben ist. Deshalb fragt Ihr Arzt gegebenenfalls nach, wie es sich anfühlt – pochend, stechend, drückend, usw., um herauszufinden, was den Schmerz auslöst und angemessene Maßnahmen ergreifen zu können.

Schmerz kann außerdem äußerst lehrreich sein: Schon ein einziges schmerzhaftes Erlebnis reicht oft aus, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Niemand von uns wird willentlich zum zweiten Mal die Hand auf die heiße Herdplatte legen – wir lernen schnell, was wehtut und wie man es vermeidet.

Leider ist unser Schmerzempfinden manchmal nicht rational: So wollen wir auch den Bohrer beim Zahnarzt vermeiden, wenn wir einmal eine schlechte Erfahrung mit einer nicht ausreichend wirksamen Betäubung gemacht haben. Wir wissen zwar, dass das Bohren sinnvoll und notwendig ist. Trotzdem zucken wir beim Geräusch des Zahnarztinstruments unwillkürlich zurück.

Definition von Schmerz

Aber was ist Schmerz eigentlich? Die International Association for the Study of Pain definiert ihn folgendermaßen: „Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung einhergeht oder von betroffenen Personen so beschrieben wird, als wäre eine solche Gewebeschädigung die Ursache.“

Biologisch gesehen ist Schmerz der effektivste Weg, ein Lebewesen dazu zu bewegen, gefährliche Situationen korrekt zu meisten. Er kann Leben retten, es schützen oder verlängern und ist daher ein überlebenswichtiges Merkmal. Wussten Sie, dass Menschen, deren Schmerzempfinden vermindert ist eine signifikant reduzierte Lebenserwartung haben?

Schmerz ist also ausgesprochen sinnvoll, um Sie gesund und munter zu halten – auch wenn Sie das in der akuten Situation sicher anders sehen.

So wird Schmerz weitergeleitet

Doch wie wird Schmerz eigentlich biologisch wahrgenommen? Rezeptoren zur Wahrnehmung von Schmerzreizen sitzen überall im Körper: In der Haut, in den Organen, in Bändern und Muskeln und natürlich auch im Zahn. Sie reagieren auf verschiedene Reize wie Wärme, Kälte und Druck und leiten diese über das Rückenmark ins Hirn weiter.

Doch nicht alle Schmerzreize überschreiten die Bewusstseinsschwelle. Geringe Reize gehen nicht über das Rückenmark hinaus und kommen gar nicht erst im Gehirn an. Das Rückenmark dient aber nicht nur als „Sekretärin“ für die Weiterleitung ins Gehirn, es hat noch eine weitere Funktion: Es steuert auch die Reflexe.

Bei einem ausreichend großen Schmerzreiz löst es beispielsweise das Zurückziehen der Hand oder das Zurückschrecken vor dem Bohrer aus, ohne dass Sie dazu im Gehirn eine bewusste Entscheidung getroffen haben. Das ermöglicht es dem menschlichen Körper, besonders schnell auf Schmerzreize zu reagieren.

Was ist der Umgebung des Steinzeitmenschen sinnvoll war, kann auf dem Zahnarztstuhl zum Problem führen, Nämlich wenn es die Behandlung behindert. Mit wirksamen Betäubungsmittelen lässt sich der Schmerz zeitweise künstlich ausschalten!

Schmerzen, die bis ins Gehirn vordringen, werden dort weiterverarbeitet. Hier kann auch die Schmerzempfindung beeinflusst werden, beispielsweise durch die Ausschüttung von schmerzhemmenden Substanzen oder die Blockierung der Schmerzweiterleitung.

Schmerz ist subjektiv

Schmerzen sind keine eindeutig physisch messbare Größe, sondern werden immer subjektiv wahrgenommen. Daher ist es auch so schwer, den Grad von Schmerzen zu beschreiben. Im Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt kann das ein Problem darstellen. Daher nutzt man in der Medizin eine Skalenbewertung für den Schweregrad von Schmerzen. So können sich Patient und Arzt darüber verständigen, wie schwer das aktuelle Leiden ist.

Meist werden für die Schmerzeinschätzung numerische Skalen zwischen 1 und 10 genutzt. Für Kinder werden aber auch Piktogramme mit lächelnden oder traurigen Gesichtern verwendet. Es gibt auch Möglichkeiten, Schmerz extern einzustufen. Dazu betrachtet der Behandler äußere Merkmale wie Muskelanspannung oder die Beeinträchtigung von Bewegungsabläufen.

Sicherlich ist Ihnen bereits aufgefallen, dass unterschiedliche Menschen Schmerz unterschiedlich wahrnehmen. Das Gleiche gilt auch für Sie selbst: Abhängig von Ihrer aktuellen psychischen Verfassung können Sie Schmerz besser oder schlechter ertragen.

Schmerz lässt sich subjektiv auf zwei Arten beschreiben: affektiv (also gefühlsmäßig) oder sensorisch (also die Sinne betreffend). Affektive Beschreibungen sind beispielsweise „schrecklich“ „lähmend“, „heftig“, „marternd“ oder „quälend“. Zu den sensorischen Beschreibungen zählen „stechend“, „brennend“ oder „drückend“. Wenn Sie Ihren Schmerz beschreiben sollen, überlegen Sie, welche Ausdrücke dafür zutreffend sind. Diese Beschreibungen können Ihrem Behandler gute Hinweise auf Art und Ursache der Schmerzen geben.

Abschließend lässt sich sagen, dass wir alle glücklicher wären, wenn wir niemals Schmerzen ertragen müssten – aber die unangenehmen Empfindung haben eine sinnvolle Funktion, die wichtig für unsere Gesundheit ist. Denken Sie daran, was Ihr Körper Ihnen sagen will, wenn Ihr Zahn das nächste Mal schmerzt – und machen Sie bald einen Termin beim Zahnarzt aus, um die Ursache zu beheben!

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.